Dinosaur National Monument – Fossil Discovery Trail

29. Mai 2023

Nachdem ich den Fossil Discovery Trail beendet hatte, hatte ich das Gefühl, nicht nur durch eine Landschaft, sondern durch die Zeit selbst gewandert zu sein. Der Weg ist 2,9 Kilometer lang und verläuft in eine Richtung. Er schneidet durch eine Abfolge geneigter Gesteinsschichten, die still und geduldig ihr Alter und ihre Entstehung preisgeben. Diese Felsen erzählen Geschichten aus einer Zeit zwischen etwa 163 Millionen und 95 Millionen Jahren vor heute, und zwischen ihnen zu wandern fühlte sich an, als würde ich Seite für Seite in einem sehr alten Buch umblättern.

Der Trailhead beginnt direkt hinter dem Visitor Center. Zunächst folgt der Pfad dem Hang eines niedrigen Hügels und führt durch eine vertraute Wüstenlandschaft. Die Luft war trocken und klar, der Boden hell und staubig, unterbrochen von Sträuchern und Kakteen. Rechts von mir öffnete sich die Wüste in gedämpften Braun- und Grautönen, links erhob sich dicht am Weg eine Felswand mit rauer, zerklüfteter Oberfläche in sanften Beige- und Rottönen. Das Gehen war leicht und beinahe meditativ, und während der ersten halben Meile wirkte die Landschaft ruhig und zurückhaltend, als würde sie mich auf das Kommende vorbereiten.

Gallery I: Offene Wüste und dramatischer Wechsel der Landschaft


Nach diesem ersten Abschnitt erreichte ich die Stelle, an der der Weg in einen schmalen Canyon hinauf zur Quarry abbiegt. Hier liegt ein großer Felsblock direkt am Pfad, seine Oberfläche schimmert in tiefem Violett, Rot und warmem Gold. Als ich nähertrat, erkannte ich Petroglyphen im Stein. Sie sind unscheinbar und leicht zu übersehen, doch sobald man sie wahrnimmt, verankern sie diesen Ort nicht nur in der geologischen, sondern auch in der menschlichen Geschichte. Dieses stille Zusammentreffen von Fels, Kunst und Stille empfand ich als besonders eindrücklich.

Von dort aus führt der Weg in ein kleines Tal hinein, und fast sofort wird die Szenerie dramatischer. Die Talwände steigen höher auf, und die Farben werden intensiver. Gesteinsformationen entfalten sich in Schichten aus Violett, Orange, Weiß und Goldrot. Manche Felsen lehnen sich in scharfen Winkeln gegeneinander, als wären sie mitten in einer langsamen Bewegung erstarrt. Andere stehen wie Flossen oder gefaltete Wellen hinter- und nebeneinander. Das Licht betont Kanten und Grate und schafft starke Kontraste zwischen leuchtenden Flächen und tiefen Schatten.

Etwa eine Viertelmeile weiter oben im Tal erreichte ich eine Felswand der Morrison-Formation. Dies ist einer der bedeutenden Fossilbereiche entlang des Weges. Dinosaurierknochen und urzeitliche Muscheln sind hier im Gestein freigelegt, noch immer in ihrer natürlichen Lage, genau so, wie Earl Douglass sie 1909 entdeckte. Auf den ersten Blick sind sie kaum zu erkennen. Ich musste stehen bleiben, langsamer werden und sehr genau hinschauen. Erst dann begannen sich Formen und Texturen abzuzeichnen, die nicht zu gewöhnlichem Gestein gehören. Trotzdem muss ich sagen, dass mir die Gesteinsformationen selbst noch besser gefielen als die Fossilien. Maßstab, Farben und die ungewöhnliche Geometrie der Landschaft fesselten mich vollkommen.

Gallerie II: Die Felsformationen dominieren meinen Blick.

Schließlich kam das Quarry-Gebäude in Sicht, hoch über dem Tal gelegen. Von außen wirkt es unscheinbar, doch im Inneren eröffnet sich eine völlig andere Dimension von Zeit und Leben. Auf der oberen Ebene erstreckt sich eine lange, hohe Wand, übersät mit Knochen, scheinbar zufällig verteilt und doch voller Ordnung, als hätte sich das Gestein selbst geöffnet. Oberschenkelknochen, Rippen, Wirbel und Fragmente von Skeletten ziehen sich über die gesamte Wand, viele noch teilweise im Fels eingebettet.

Auf der unteren Ebene sind vollständige Dinosaurierskelette zu sehen. Besonders beeindruckend war das eines jungen Camarasaurus, eines langhalsigen Pflanzenfressers aus der Gruppe der Sauropoden. Diese Art war der häufigste Dinosaurier im Carnegie Quarry und im Morrison-Ökosystem vor etwa 149 Millionen Jahren. Die Länge des Halses und die massive Körperform machen es leicht, sich vorzustellen, wie dominant und zugleich friedlich diese Tiere gewirkt haben müssen.

In der Nähe steht das Skelett eines Allosaurus jimmadseni, eines fleischfressenden Dinosauriers und dominanten Räubers der Jurazeit. Haltung und Schädel vermitteln Spannung und Bewegung, als könne er jeden Moment einen Schritt nach vorne machen. Der Kontrast zwischen Pflanzenfresser und Raubtier verleiht dem Raum eine stille Intensität.

Gallery III:Im Inneren des Gebäudes ist das Steinbrucherlebnis noch immer visuell präsent


Nachdem ich alles in Ruhe betrachtet hatte, trat ich wieder ins Sonnenlicht hinaus. Das Tal lag still da, die Felsen unverändert, gleichgültig gegenüber den Millionen von Jahren, die sie bereits überdauert hatten. Ich verließ das Gebäude und ließ mich hinunter zu meinem Auto mitnehmen. Während wir fuhren, glitten die geneigten Gesteinsschichten am Fenster vorbei, und ich verspürte eine tiefe Ruhe, als hätte mich dieser Weg sanft in der Zeit gedehnt und anschließend wieder losgelassen.

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