29. Mai 2023
Nachdem ich den Fossil Discovery Trail beendet habe, gehe ich mit dem Gefühl zum Auto zurück, dass dieser Tag noch lange nicht vorbei ist. Vom Parkplatz an der Blue Mountain Road aus betrete ich den Sound of Silence Trail – einen Weg, der nicht von Fossilien erzählt, sondern von Weite, Gestein und Stille. Die Wüste empfängt mich sofort. Der Sand knirscht unter meinen Stiefeln, Kakteen stehen wie Wächter in der Landschaft, und die Luft ist trocken und offen, erfüllt von Licht.
Schon nach kurzer Zeit öffnet sich die Szenerie dramatisch. Ich stehe vor gewaltigen Sandsteinformationen, deren Oberflächen über unvorstellbare Zeiträume hinweg von Wind und Regen geformt wurden. Die Felsen leuchten in Orange-, Rot- und hellen Weißtönen, geschichtet wie die Seiten eines uralten Buches. Jeder Schritt fühlt sich an, als würde ich tiefer in eine geologische Geschichte eintreten, die lange vor jeder menschlichen Präsenz begann..
Gallery I
Der Weg führt bald in ein trockenes Flussbett, einen sogenannten Wash, der von seltenen, aber heftigen Regenfällen geformt wurde. Hier gehe ich langsamer und vorsichtiger. Die Gesteinsschichten sind aufgerichtet und zerbrochen, in scharfen Winkeln aus dem Boden gedrückt – eine eindrucksvoller als die andere. Die Wände rücken näher zusammen und lenken meinen Weg, und ich fühle mich klein, als würde ich durch die Knochen der Erde gehen.
Nach einer Weile wird der Wash immer enger. Die Ausblicke verschwinden, das Gehen wird mühsam, und ich konzentriere mich ganz auf meine Schritte. Eine Zeit lang ist dieser Abschnitt eingeschränkt und wenig reizvoll, doch ich gehe weiter, wissend, dass sich die Landschaft wieder öffnen wird. Als ich schließlich zurück auf einen Grat steige, ist der Moment überwältigend. Plötzlich liegt die Welt offen vor mir. Immer wieder bleibe ich stehen, unfähig, mit dem Fotografieren aufzuhören.
Im Nordosten beherrscht der Split Mountain den Horizont. Seine scharfe, dramatische Form wird von hellen, fast weißen Flächen dominiert und hebt sich deutlich von der Umgebung ab – wie eine monumentale Skulptur. Unter ihm breiten sich Wüsten-Badlands aus, in Wellen aus Rot, Orange und Gold, durchzogen von Rinnen und übersät mit Kakteen und vereinzelten Bäumen. Der Kontrast zwischen dem hellen Berg und dem farbintensiven Land darunter ist beeindruckend.
Gallery II Begleitung der weiten offenen Landschaft
Etwa eine Meile lang folge ich dieser Szenerie, während der Split Mountain stets präsent bleibt. Dann führt der Weg auf eine steile Slickrock-Fläche zu. Aus der Ferne wirkt sie glatt und beinahe harmlos, doch beim Aufstieg wird ihre Größe deutlich. Ich bewege mich vorsichtig, bleibe tief am Fels. An einer Stelle halte ich inne, unfähig, aufzustehen, aus Angst, das Gleichgewicht zu verlieren. Ich mache ein Foto, obwohl mir klar ist, dass es weder Höhe noch Spannung vollständig einfangen kann, und steige dann wieder hinab. Auch von unten lässt sich der Fels nicht in einem einzigen Bild erfassen.
Gallery III Ein Auf und Ab der Landschaft
Der letzte Abschnitt des Trails erfordert nochmals volle Aufmerksamkeit. Der Weg ist schwer zu erkennen, der Abstieg anspruchsvoll. Doch die Mühe wird reich belohnt. Die Vegetation wird dichter, grüner, lebendig. Blumen blühen zwischen den Felsen, und Kakteen tragen zarte Blüten, die in dieser rauen Umgebung fast unwirklich erscheinen. Das Tal öffnet sich sanft, und die Wüste wirkt plötzlich großzügig und freundlich.
Gallery IV Das Ende des Trails mit Leben und Farbe
Als ich den Rundweg beende, bin ich tief zufrieden. Abgesehen von einem etwa zehnminütigen Abschnitt durch einen engen Wash ohne jede Aussicht war diese Wanderung einfach wunderbar. Der Sound of Silence Trail hat seinem Namen alle Ehre gemacht – mit Stille, Weite und dem tiefen Gefühl, durch eine Landschaft zu gehen, die nicht für Menschen geschaffen wurde, sondern geduldig und unerbittlich von der Erde selbst.

















