Öschinensee-Rundweg bei Kandersteg

Samstag, 11. August 2023 – 9,2 km | 498 Höhenmeter

Um 8:15 Uhr fahren wir los. Als wir um Punkt 10 Uhr in Kandersteg aus dem Zug steigen, liegt ein leichter Schleier aus Wolken über dem Tal. Doch hinter dem Grau blitzt bereits die Sonne hervor – ein vielversprechender Auftakt. Wir kaufen unsere Tickets und schweben wenig später mit der Gondel hinauf in Richtung Oeschinensee.

Schon während der Auffahrt breitet sich vor uns das Panorama des Berner Oberlandes aus. Die Gipfel wirken zum Greifen nah, scharf geschnitten gegen den Himmel, ihre Felsflanken von Licht und Schatten modelliert.

Oben angekommen zücken wir zunächst die Kameras – meine Schwägerin Basia, ihre Tochter Anja, meine Frau Hania, unser Sohn Simon und ich. Erst Fotos, dann der Weg.

Nach etwa einem Kilometer öffnet sich der Blick – und plötzlich liegt er da: der Oeschinensee. Tiefblau, beinahe unwirklich intensiv, eingefasst von einer gewaltigen steinernen Arena.

Links erhebt sich das Morgenhorn neben der hell schimmernden Wyssi Frau, beide Teil des eindrucksvollen Blüemlisalp-Massivs. In der Mitte thronen das Blüemlisalphorn und das Oeschinenhorn. Rechts dominiert das mächtige Doldenhorn mit seiner markanten Eiskappe.

Kein Wunder, dass dieses Gebiet Teil des UNESCO-Welterbes Jungfrau-Aletsch ist. Der See wird von den Gletscherbächen dieser gewaltigen Gipfel gespeist – ein natürlicher Kessel aus Fels, Eis und Wasser.

Wir sind überwältigt. Also breiten wir unser Picknick aus und genießen einfach nur den Moment.

Gallery I – First Encounter with the Lake


Nach dem Picknick steigen wir rund hundert Meter steil zum Ufer hinunter. Unten herrscht reges Treiben – wir sind nicht die Einzigen, die diesen Ort erleben möchten. Nach einem Familienfoto folgen wir dem Uferweg nach links.

Der Pfad steigt bald wieder an. Immer neue Perspektiven eröffnen sich: Der See wechselt von Türkis zu Tiefblau, je nachdem wie die Sonne durch die Wolken bricht. Die Felswände zeigen feine Schichtungen in Grau-, Silber- und Grüntönen. Am Bergbeizli Unterbärgli halten wir inne. Von hier oben wirkt der See noch intensiver, fast leuchtend.


Galerie II – Am Ufer und über dem See


Beim Unterbärgli entscheiden sich Hania, Simon und Anja angesichts des steilen Anstiegs zur Umkehr. Basia und ich hingegen nehmen die Herausforderung an.

170 Höhenmeter bis zur Gaststätte Oberbärgli – kurz, aber intensiv. Der Weg zieht sich in engen Serpentinen über Geröll und Felsstufen. Unsere Schritte werden langsamer, die Pausen häufiger. Nicht nur wegen der Anstrengung – auch die Aussicht zwingt uns immer wieder zum Innehalten.

Oben gehen wir rechts an der Gaststätte vorbei zu einer Bank. Von hier ist der Blick noch freier. Der See liegt tief unter uns, eingerahmt von Felsriesen. Die Anstrengung hat sich gelohnt.


Galerie III – Hoch über dem Oeschinensee


Auf etwa 2000 Metern folgen wir dem schmalen Panoramaweg am Heuberg entlang. Es ist ein Tanz am Abgrund. Der Pfad schmiegt sich an die Falten des Berges, oft exponiert, mit freiem Blick auf das tief unten liegende Wasser.

Der Fisistock begleitet uns fast ständig auf der gegenüberliegenden Seeseite. Vor uns baut sich immer wieder der Oeschinen-Doldenhorn-Grat auf – eine gezackte Verbindung aus Fels und Eis. Die hängenden Gletscher des Doldenhorns wirken aus der Nähe noch beeindruckender, fast bedrohlich.


Galerie IV – Panoramaweg am Heuberg


Nach etwa 35 Minuten erreichen wir den Aussichtspunkt Heuberg – den Ort für das klassische Oeschinensee-Foto. Eine Gruppe steht gerade auf, wir setzen uns auf die Bank.

Von hier blicke ich direkt in das Herz dieser gewaltigen Landschaft. Die Bire zeigt ihre gefaltete, zerklüftete Wand, während der Doldenhorn-Grat majestätisch über den Wasserfällen thront. Das Wasser unten leuchtet türkis, beinahe mediterran – und doch umgeben von alpiner Wildheit.


Galerie V – Aussichtspunkt Heuberg und Abstieg


Beim Abstieg verändert sich der Blickwinkel erneut. Wir laufen nun direkt auf die zerklüftete Flanke der Bire zu. Der Grat hinter uns entfaltet im Rückblick noch einmal seine ganze Dramatik.

Nahe der Bergstation treffen wir Hania, Simon und Anja wieder. Gemeinsam schweben wir mit der Gondel zurück ins Tal.

Ich lehne mich zurück und lasse den Tag Revue passieren. 9,2 Kilometer, 498 Höhenmeter – aber vor allem unzählige Eindrücke aus Fels, Eis, Wasser und Licht.

Der Oeschinensee bleibt für mich nicht nur ein Bergsee. Er ist eine gewaltige Naturbühne – und wir durften für einen Tag Teil dieser Inszenierung sein.

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