Gipfelglück über Grindelwald: Ein Morgen auf der First

Montag, 13. August 2023

Der Tag beginnt früh, noch bevor die Sonne die Schatten aus dem Tal von Grindelwald vertrieben hat. Gemeinsam mit Basia, Anja, Hania und Simon mache ich mich auf den Weg. Es herrscht diese besondere Morgenstille, die nur Bergdörfer kennen. Um 8:50 Uhr erreichen wir den Bahnhof, doch der Weg zur Gondelstation wird zur ersten kleinen Entdeckungsreise.

In einer unscheinbaren Sackgasse bei der Dorfstraße 108a bleiben Basia und ich wie angewurzelt stehen. Es ist, als hätte jemand einen Vorhang aufgezogen: Plötzlich öffnet sich der Blick auf die monumentale Breitseite des Mettenbergs. Er thront dort in einem harten, kühlen Grau, während links daneben das majestätische Wetterhorn in den blauen Himmel ragt. Dazwischen schmiegt sich der Obere Grindelwaldgletscher wie ein erstarrter Fluss aus weißem Eis in die Felsfurchen.

Galerie I: Wenn die Riesen erwachen Der Weg zur Gondel schenkt uns die ersten Gänsehaut-Momente.

Wir lassen das Tal hinter uns. In drei Etappen schweben wir mit der Gondel hinauf auf 2.166 Meter. Mit jedem Höhenmeter weitet sich die Brust, die Luft wird dünner und klarer. Grindelwald-First empfängt uns als ein Ort, an dem die Welt stillzustehen scheint – ein Logenplatz für die Ewigkeit.

Unser Ziel ist sofort klar: der First Cliff Walk. Der Eisensteg schmiegt sich elegant, fast zärtlich an die schroffen, überhängenden Felswände. Die Steine leuchten hier in Nuancen von Ocker bis hin zu einem tiefen Schiefergrau, gezeichnet von Wind und Wetter. Während Basia tapfer ihre Höhenangst bezwingt, raubt mir der Blick nach vorne den Atem. Die Eigernordwand – 1.800 Meter senkrechter Fels – steht da wie ein unbezwingbarer Wächter.

Galerie II: Tanz am Abgrund

Wir folgen dem Steg, der sich wie eine stählerne Wendeltreppe um den Berg windet. Am Ende wartet die berühmte Aussichtsplattform. Eine lange Schlange geduldiger Besucher aus Fernost wartet hier auf das perfekte Selfie, doch wir entscheiden uns für die stille Beobachtung. Wir brauchen kein Foto vom Steg, um die Wucht dieser Kulisse zu spüren.

Das Schreckhorn dominiert nun das Panorama, flankiert vom Kleinaarhorn und der schroffen Stirnseite des Mettenbergs. In einer tiefen Senke schimmert erneut der Gletscher, dahinter ragen die Fiescherhörner wie dunkle, steile Pyramiden auf. Das Grosse Fiescherhorn wirkt fast schwarz gegen das gleißende Weiß des Fieschergletschers. Und mitten in dieser monumentalen Szenerie? Zwei Kühe. Sie kauen völlig unbeeindruckt auf ihren Gräsern, während hinter ihnen die Weltgeschichte der Geologie geschrieben steht.

Galerie III: Die Throne der Alpen

Ein Schwenk über den Horizont lässt die Dimensionen erst richtig begreifen – vom Schwarzmönch bis zum Wetterhorn. Klicken Sie dazu auf den Link unten.

https://youtu.be/gcwJm4Spv0I

Das Wetterhorn bleibt mein Favorit – ein fast rechteckiger, mächtiger Felsklotz, der heute leider einige Wolkenfetzen trägt. Hoffentlich kein schlechtes Omen für unseren weiteren Weg.

Adrenalin vor der Eiger-Nordwand: Unser Adventure-Tag

Nach dem staunenden Verweilen an den Abgründen des Cliff Walks wechselt der Puls. Wir haben das „Adventure Package“ gebucht, und die First zeigt uns nun ihre wilde Seite. Während sich die Gruppe beim First Flieger einreiht, entscheide ich mich für einen Moment der Ruhe. Gemeinsam mit unserem Hund fahre ich eine Station zurück. Bei einem dampfenden Kaffee und der Kamera im Anschlag lasse ich das Bergpanorama noch einmal ganz in Ruhe auf mich wirken, während die anderen oben dem Nervenkitzel entgegenfiebern.

Eine Stunde später ist es so weit: Hania hatte das Glück den freien Platz neben einer Unbekannten zu ergattern und saust mit ihr in die Tiefe. Unten angekommen übernimmt sie den Hund, damit ich endlich nach oben fahren kann. Basia wartet bereits an der Treppe auf mich. Gemeinsam verfolgen wir oben angekommen gebannt, wie die Träger für unseren Flug wieder mechanisch nach oben gezogen werden. Das Herz klopft – die Aussicht auf den Flug ins Leere ist berauschend.

Galerie IV: Flieger-Abenteuer

   

    Genuss der Bergwelt bei einem Cappucino: https://youtu.be/YMTLKwgquQU

Doch das Abenteuer ist noch lange nicht vorbei. Hania hat bereits strategisch wertvolle Vorarbeit geleistet und sich eine Stunde lang bei den Mountain Carts angestellt. Dennoch dauert es eine weitere Stunde, bis wir endlich unsere Plätze in den dreirädrigen Gefährten einnehmen dürfen. Was folgt, ist purer Fahrspaß, der jedoch volle Konzentration verlangt. Die Geschwindigkeit ist beachtlich, und die Herausforderung besteht darin, zwischen den fast kriechenden Fahrern aus Fernost und der ablenkenden Schönheit der Natur den Weg zu finden. Eiger, Schreckhorn, Mettenberg und Wetterhorn scheinen zum Greifen nah, während wir über den Schotter fegen.

Galerie V: Mountain Cart und Mittagessen vor dem Bergpanorama

   

    https://youtu.be/fvDLsLBe_Ck Die staubige und spaßige Abfahrt mit dem Mountain Cart.

Nach dem Mittagessen, bei dem wir amüsiert die Fahrkünste der vorbeiziehenden Trottinettfahrer beobachten, schnappen wir uns selbst die Trottibikes. Simon und ich verlieren schnell die anfängliche Vorsicht und nehmen richtig Fahrt auf. Der Weg ins Tal ist steil. Wer hier den Blick zu lange von der Piste abwendet, riskiert einen Sturz – wie wir bei einigen Pechvögeln am Wegesrand sehen.

Es ist eine herrliche Abfahrt. Wir gleiten über den Faulhornweg durch saftige Bergwiesen und vorbei an einsamen Almen. Je tiefer wir kommen, desto dichter stehen die Häuser. Der Mettenberg rückt uns nun von der linken Seite her ganz nah auf die Pelle. Die letzte Etappe führt uns durch das malerische, langgezogene Dorf. Es ist unbestreitbar: Grindelwald gehört zu den schönsten Flecken der Schweiz.

Galerie VI: Mit dem Trottinet ins Tal

   

    Video: Die finale Fahrt durch die Gassen bis hinunter ins Dorf.

Die letzten zweihundert Meter schieben wir unsere Roller gemütlich bis zur Station, geben sie ab und spazieren erschöpft, aber glücklich zum Bahnhof zurück. Was für ein Tag! Ein echtes Adventure, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Tipps für dein First-Adventure: Damit der Tag zum Erfolg wird

Ein Tag auf der First bietet Adrenalin pur, erfordert aber ein wenig Planung, damit die Wartezeiten den Spaß nicht trüben. Hier sind meine persönlichen Erfahrungswerte:

  • Das Adventure Package: Es lohnt sich finanziell absolut, wenn du zwei oder mehr Aktivitäten (Flieger, Cart, Trottibike) machen willst. Du kannst es direkt an der Talstation kaufen.
  • Geduld einplanen: Besonders beim First Flieger und den Mountain Carts sind Wartezeiten von 60 bis 90 Minuten keine Seltenheit. Mein Tipp: Teilt euch auf! Während einer in der Schlange ansteht, können die anderen die Aussicht genießen oder (wie ich) eine Station mit dem Hund fahren.
  • Vorsicht bei den Carts & Trottis: Die Abfahrten machen riesigen Spaß, sind aber teilweise steil und schotterig. Besonders auf die „langsamen“ Fahrer und entgegenkommende Wanderer achten. Konzentration ist hier wichtiger als Tempo!
  • Hunde auf Abwegen: Hunde können in der Gondel problemlos mitgenommen werden. Für die Abfahrt mit dem Trottibike empfiehlt sich – wie bei uns – ein spezieller Hunderucksack, damit die Vierbeiner sicher und entspannt mit ins Tal kommen.
  • Timing: Wer früh startet (vor 8:00 Uhr an der Gondel), entgeht zumindest am Vormittag den ganz großen Menschenmassen am Cliff Walk.

Interaktive Karte First

https://goo.gl/maps/FF8PLSktntbirwVe7

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