Donnerstag, 19. März 2026
Der Morgen in Las Vegas fühlte sich bereits wie der Vorbote eines glühenden Tages an. Nachdem wir das Excalibur hinter uns gelassen hatten, holten wir unser treues Gefährt aus dem Self-Storage in der Robindale ab – ein kleiner Befreiungsschlag aus dem Trubel der Stadt. Unser Ziel: der Red Rock Canyon. Schon bei der Ankunft am Visitor Center spürten wir die trockene, klare Luft. Wir füllten unsere Vorräte auf, studierten kurz die Karte und tauchten dann ein in eine Welt, die wie von einem Riesen aus Farbtöpfen gegossen schien.
Am ersten Stopp, Calico I, empfing uns ein strahlend blauer Himmel bei bereits 27 Grad. Als wir den Wanderweg hinunterstiegen, umgab uns die Stille der Wüste, nur unterbrochen vom Knirschen unserer Schritte. Wir kletterten auf einen der mächtigen Felsen, um das Panorama aufzusaugen. Die Farben hier sind fast surreal: Ein tiefes, sattes Rot trifft auf sanftes Grau. In der Ferne ragte die Rückseite des White Rock Mountain auf – ein massiver, dreieckiger Block, dessen Flanken so präzise und gleichmäßig abfallen, als hätte jemand ein Lineal an den Horizont gelegt. Dahinter thronte, wie ein schützender Wall, die gewaltige La Madre Range. Der Kontrast zwischen dem brennenden Rot im Vordergrund und der kühlen, grauen Erhabenheit der Berge im Hintergrund war atemberaubend.
Galerie I: Erste Eindrücke
Unsere Fahrt führte uns weiter zum Sandstone Quarry Overlook. Hier musste ich kurz innehalten und die Westseite des Parkplatzes fokussieren. Vor uns baute sich der Rainbow Mountain auf – ein hoher, spitzer Gipfel, der wie eine Pyramide in den Himmel ragt. Besonders faszinierend sind die horizontalen roten Sandsteinbänder, die seine Spitze krönen und ihm dieses fast dekorative Aussehen verleihen.
Direkt daneben wirkte der Bridge Mountain deutlich massiver. Seine kuppelförmige Struktur wirkt beinahe weich, wäre da nicht die gewaltige, schüsselförmige Vertiefung knapp unter dem Gipfel, ein natürliches Amphitheater, das die berühmte „Natural Bridge“ verbirgt. Flankiert werden diese beiden Schönheiten vom Mount Wilson, einem klotzigen Riesen. Er wirkt quadratisch, fast stoisch, ein massiver Felsblock, der unerschütterlich über das Tal wacht.
Galerie II: Die Wächter des Canyons
Wir schnürten die Wanderschuhe fester und machten uns bereit für den Trail zu den Calico Tanks. Der Weg begann gemächlich über Kieswege, gesäumt von kargen Büschen. Doch immer wieder zwangen uns die Ausblicke zum Stehenbleiben. Besonders der Turtlehead Mountain zog unsere Blicke auf sich. Er ist Teil der berühmten Keystone Thrust Fault – ein geologisches Wunderwerk, bei dem uralter, grauer Kalkstein über den deutlich jüngeren, roten Sandstein geschoben wurde. Dieser dramatische Farbbruch erzählt die Geschichte von gewaltigen Erdkräften, die hier aufeinanderprallten.
Galerie III: Geologische Kontraste
Je tiefer wir in Richtung der Calico Tanks vordrangen, desto mehr fühlten wir uns wie in einer Zeitkapsel. Der Aztec-Sandstein links und rechts des Weges ist das schlagende Herz dieser Landschaft. Es ist kaum vorstellbar, dass diese festen Felswände vor fast 200 Millionen Jahren wandernde Sanddünen in einer riesigen Wüste waren.
Die Farben sind das Ergebnis chemischer Magie: Das tiefe Rot und Orange stammt von Eisenoxid – der Stein ist über Jahrmillionen durch den Kontakt mit Luft und Wasser buchstäblich „gerostet“. Dort, wo das Gestein goldgelb oder weiß leuchtet, wurde das Eisen entweder durch Grundwasser ausgewaschen oder war im ursprünglichen Dünensand gar nicht vorhanden. Wir kletterten über diese steinernen Zeugen der Jurazeit, während sich der Pfad immer weiter durch das Labyrinth aus Farben und Formen wand.
Galerie IV: Pfad durch die Zeit
Gipfelglück und Wüstenbewohner
Der Aufstieg zu den Calico Tanks forderte uns einiges ab. Der Pfad wand sich über steile Steintreppen nach oben, und bei den kleineren Wasserbecken – den sogenannten „Tanks“ – wurde es stellenweise so eng, dass man fast eins mit dem Fels wurde. In einem Moment falschen Übermuts versuchte ich, die Passage untenherum zu umgehen. Ein Fehler: Der Boden war tückisch, und ich verlor fast den Halt. Erst auf dem Rückweg nutzte ich den oberen Übergang, der sich als deutlich sicherer und leichter erwies.
Oben angekommen, bot sich uns ein bizarres Bild. In den Tanks spiegelten sich die Felswände, obwohl das stehende Wasser durch die Mineralien gelb und rot verfärbt war. Der Blick zurück öffnete das Panorama über die Calico Hills von der Rückseite, und in der Ferne flimmerte das Häuserkapitel von Las Vegas in der Wüstenhitze.
Galerie V: Der Tank und der Gipfel
Auf dem Abstieg wartete eine besondere Begegnung auf uns. Eine kleine Wüstenschildkröte kreuzte unseren Weg. Sie strebte zielstrebig in Richtung Turtlehead Mountain – ein amüsanter Anblick, auch wenn sie den Gipfel wohl kaum in diesem Tempo erreichen wird.
Galerie VI: Die Begegnung
Wieder am Auto folgten wir der Scenic Route zum High Point Overlook. Das Panorama im Süden ist gewaltig: Der Mount Wilson steht dort als massiver Anker der Wilson Cliffs. Rechts davon erstreckt sich die farbenfrohe Rainbow Mountain Wilderness. Obwohl das Licht nun sehr grell war, erkannte man deutlich den Bridge Mountain, der leicht versetzt hinter den vorderen Kämmen thront. Ganz im Südosten zeichnete sich der flachere Blue Diamond Hill aus Kalkstein ab.
Galerie VII: Rainbow Mountain Wilderness
Unser letzter geologischer Stopp war der White Rock Mountain. In einem gewaltigen, durch Erosion entstandenen Kar wird der Keystone Thrust perfekt sichtbar: Unten der helle, junge Aztec-Sandstein und darüber wie eine dunkle Kappe der uralte, graue Kalkstein. Ein faszinierendes Schichtspiel der Erdgeschichte.

Bei 32 Grad war unser Durst nach Abenteuer schließlich gestillt. Nach einem schnellen Einkauf im Walmart in Boulder bezogen wir unser Hotel. Eine schöne Überraschung gab es beim Check-in: Ein Gutschein für ein ausgiebiges Frühstück morgen früh. Jetzt, am Abend, lasse ich diesen herrlichen, heißen Tag Revue passieren.




















