Tarragona – Das steinerne Herz am Meer

3./4. März 2024

Das Echo der Legionen und der Duft der See

Es ist das warme, honiggelbe Leuchten des Sandsteins, das mich als Erstes gefangen nimmt, als ich die historische Oberstadt, die Part Alta, betrete. Tarragona trägt seine Jahrtausende alte Geschichte nicht in verstaubten Vitrinen, sondern stolz im Freien. Mein Spaziergang beginnt auf dem Passeig Arqueològic. Der schmale, gepflegte Pfad windet sich wie ein grünes Band zwischen den monumentalen, zyklopischen Festungsmauern hindurch. Zypressen ragen wie dunkle Wächter in den wolkenverhangenen Himmel, während der Duft von feuchter Erde und wildem Rosmarin in der Luft liegt. Weiter oben auf den Bastionen blicken alte Kanonen stumm über das Umland – stählerne Zeugen längst vergangener Belagerungen.

Galerie I: Wehrhafte Kulissen und steinerne Zeugen

Der Weg führt mich tiefer in das Labyrinth der Altstadt. Plötzlich öffnet sich das enge Gassengewirr und ich stehe auf der Plaça de l’Antic Escorxador. Hier trifft die raue Antike auf die verspielte Eleganz des katalanischen Jugendstils. Das Rektorat der Universität, ein ehemaliger Schlachthof, fasziniert mich mit seiner kontrastreichen Fassade aus hellem Naturstein und filigranen roten Backsteinelementen. Direkt gegenüber explodiert die Wand eines Wohnhauses in einem monumentalen, farbenfrohen Gemälde, dem Mural de Sant Antoni. Die Trompe-l’œil-Malerei zieht den Blick magisch an und erzählt mit ihren Tauben und der stolz aufgemalten katalanischen Flagge von den tiefen Traditionen dieses Viertels.

Galerie II: Jugendstil und Fassadenkunst an der Plaça de l’Antic Escorxador

Im Schatten der mächtigen Kathedrale

Es zieht mich unweigerlich zur Catedral de Santa Maria. Ich nähere mich ihr von der Rückseite über die schmale, stimmungsvolle Carrer de les Coques. Von hier aus wirkt die Kirche wie eine uneinnehmbare Festung. Die gewaltige, halbrunde Apsis zeigt den strengen Geist der Romanik, während der achteckige Glockenturm majestätisch in den Himmel ragt. Nur wenige Schritte weiter entdecke ich das Antic Hospital de Santa Tecla aus dem 12. Jahrhundert, dessen wunderschöne romanisch-gotische Rundbögen einen schattigen Portikus bilden.

Galerie III: Die monumentale Kathedrale aus der Perspektive der Carrer de les Coques

Als ich schließlich um die Ecke auf die Plaça de Santiago Rusiñol biege, raubt mir die Hauptfassade den Atem. Das tief gestaffelte gotische Stufenportal ist übersät mit ausdrucksstarken Skulpturen von Aposteln und Propheten. Darüber thront die riesige, steinerne Fensterrosette, ein Meisterwerk der Geometrie. Dass die Fassade oben flach abbricht, weil die Pest im Jahr 1348 den Bau stoppte, verleiht diesem Ort eine fast tragische, aber zutiefst menschliche Note.

Ich lasse mich weiter treiben und gelange zur Carrer de Sant Pau. Hier erhebt sich die barock-klassizistische Fassade der Seminarkirche neben dem neugotischen Priesterseminar, bevor sich mir von der ruhigen Plaça del Palau noch einmal ein völlig neuer Blick auf die verschachtelten Kapellbauten und barocken Kuppeln der Kathedrale eröffnet.

Galerie IV: Glaubensbauten und weite Plätze der Part Alta


Vom lebendigen Alltag zum endlosen Blau

Das pulsierende Leben der Stadt beginnt an der geschichtsträchtigen Plaça del Pallol. Hier bewundere ich die Ca l’Agapito, ein mittelalterliches Gebäude, das kühn auf den monumentalen Mauern des antiken römischen Provinzforums thront. Von dort aus schlendere ich hinunter zur Plaça de la Font. Wo heute Menschen in Straßencafés lachen, Tapas essen und den Tag genießen, rasten vor zweitausend Jahren die Streitwagen durch das römische Unterhaltungsviertel. Der langgestreckte Platz zeichnet noch heute exakt die Form des antiken Zirkus nach.

Galerie V: Das pulsierende Leben auf historischen Fundamenten

Schließlich zieht es mich ans Wasser. Ich schlendere die Prachtstraße Rambla Nova hinunter bis zum Balcó del Mediterrani. Hier steht die Bronzestatue des Admirals Roger de Llúria und blickt entschlossen über die Wogen. Als ich an das eiserne Geländer trete, öffnet sich der Blick auf das unendliche Blau des Meeres und den weiten, goldenen Sandstrand der Platja del Miracle.

Galerie VI: Der Balkon zum Mittelmeer

Das absolute Highlight erwartet mich nur ein Stück weiter unterhalb der Klippen: Das römische Amphitheater. Es ist atemberaubend zu sehen, wie die antike Arena unmittelbar vor der Kulisse des azurblauen Meeres liegt. Wenn man in der Mitte der Arena steht, umgeben von den stufenförmigen Zuschauerrängen und den Ruinen einer mittelalterlichen Kirche, die später in die Ellipse hineingebaut wurde, spürt man die Dichte der Zeit.

Galerie VII: Das steinerne Rund am Meer


Wilde Klippen und die Krone der Stadt

Ich schlendere zum Camí de Ronda. Dieser schroffe Küstenweg führt mich vorbei an ockerfarbenen Klippen, an denen sich die weiße Gischt des Meeres bricht. Die salzige Gischt brennt leicht auf der Haut, und der Wind trägt das dumpfe Grollen der Wellen heran. Auf einer felsigen Landzunge thronen die einsamen Mauern des Fortí de la Reina, gekrönt von vier schlanken Palmen, die sich elegant im Wind wiegen.

Galerie VIII: Entlang der wilden Steinküste

Ich kehre zurück in die Stadt, um ein letztes Mal den Circ Romà, den römischen Zirkus, zu besuchen. Zwischen modernen Wohnhäusern und kunstvollen Fassaden ragen hier die mächtigen Überreste der Tribünen auf. Ich steige hinab in die kühlen, feuchten Tonnengewölbe, in denen einst das Raunen der antiken Massen widerhallte.

Galerie IX: Die monumentalen Spuren des römischen Circus

Mein Weg führt mich hinauf auf das Dach des Prätorium-Turms. Auf dem windgepeitschten Wehrgang stehend, umgeben von massiven mittelalterlichen Zinnen, liegt mir ganz Tarragona zu Füßen. Nach Norden hin schweift der Blick über das endlose Dachmeer der Altstadt direkt zur majestätischen Silhouette der Kathedrale. Dreht man sich nach Osten, blickt man über das tiefe Grün der Pinienparks auf die sternförmige Festung Fortí de Sant Jordi und das glitzernde Mittelmeer.

Galerie X: Die 360-Grad-Perspektive vom Prätorium-Turm

Zum Abschied zieht es mich noch einmal auf den malerischen Plaça del Rei. Im weichen Licht des späten Nachmittags betrachte ich das harmonische Nebeneinander der Geschichte: Auf der einen Seite die schlichte Renaissance-Fassade der Església de Natzaret, auf der anderen Seite die kunstvollen Sgraffito-Muster an den Wänden der barocken Dreifaltigkeitskirche. Ich setze mich in eines der Straßencafés, trinke einen Espresso und weiß, dass diese Stadt aus Stein, Salz und Sonne mich nicht zum letzten Mal gesehen hat.

Galerie XI: Architektonischer Ausklang an der Plaça del Rei

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