Pamplona – Ein Pfad aus Stein und Geschichte

8. September 2022

Als ich heute Morgen die Augen öffne, empfängt mich eine ganz andere Welt als das maritime Bilbao. Pamplona, die geschichtsträchtige Hauptstadt Navarras, ruht stolz auf einem felsigen Plateau, hoch über dem Fluss Arga. Die Luft ist hier spürbar trockener, getragen von einem Hauch Bergwind, der von den nahen Ausläufern der Pyrenäen herüberweht.

Die Landschaft, die Pamplona umgibt, hat eine raue, majestätische Schönheit. Die Silhouette der Berge am Horizont – wie der markante Monte San Cristóbal – wirkt kantiger, fast wehrhaft im Vergleich zu den sanften Wellen des Baskenlandes. Ihre Hänge leuchten in einem kräftigen, erdigen Dunkelgrün, das im harten Sonnenlicht Navarras stellenweise in warme Ocker- und sandfarbene Töne übergeht. Die Gipfel sind von felsigen Kämmen durchzogen, die wie natürliche Zinnen in den tiefblauen Himmel ragen. Diese raue Gebirgskulisse bildet den perfekten Rahmen für eine Stadt, die jahrhundertelang als unbezwingbare Festung galt.

Ich schnüre meine Wanderschuhe. Mein Weg beginnt im Herzen der Macht, an der Rückseite des prachtvollen Palacio de Navarra.

Prachtvolle Paläste und barocke Pracht im Herzen der Altstadt

Der Tag startet in einer Oase der Symmetrie, wo die politische Geschichte der Region greifbar wird. Auf dem Weg zum zentralen Rathausplatz passiere ich architektonische Meisterwerke aus verschiedenen Epochen.

Der prächtige Gartenbereich an der Rückseite des Palacio de Navarra zieht mich sofort in seinen Bann. Ich blicke auf das lange, perfekt symmetrische Springbrunnenbecken des ehemaligen Allgemeinen Archivs von Navarra. Am oberen Sims des hellen Gebäudes prangt stolz der zweisprachige Schriftzug „GOBIERNO DE NAVARRA – NAFARROAKO GOBERNUA“, gekrönt vom kunstvollen Wappen der Region. Entlang der Fassade entdecke ich feine Medaillons, die berühmte navarresische Gelehrte zeigen.

Von dieser royalen Pracht treibe ich weiter in die engen Gassen und stehe plötzlich auf der Plaza Consistorial vor dem berühmten Rathaus von Pamplona. Seine dreistöckige Barockfassade aus dem 18. Jahrhundert ist ein absolutes Meisterwerk – übervoll mit Engeln, Löwen und Löwenköpfen. Ich setze mich in eines der einladenden Straßencafés auf dem Platz, unweit des traditionellen Restaurants Viva San Fermín. Während ich das bunte Fassadenspiel der Wohnbauten beobachte, stelle ich mir vor, wie hier am 6. Juli die Rakete, der Chupinazo, die weltberühmten Sanfermines eröffnet.

Nur wenige Schritte weiter, an der Kreuzung der Calle Mayor, stoße ich auf den Palacio del Condestable. Dieser Palast aus dem 16. Jahrhundert ist ein Juwel der zivilen Renaissance-Architektur. Besonders faszinierend ist der markante Eckbalkon mit seiner filigranen Säule und die feine Rundbogengalerie unter dem weit ausladenden Holzdach, die heute ein modernes Kulturzentrum beherbergt.

Auf den Spuren von Kunst, Glauben und dem Schutzpatron

Mein Spaziergang führt mich tiefer in den Norden der Altstadt, wo die sakrale Kunst und die tief verwurzelte Legende um den heiligen Fermín die Atmosphäre bestimmen.

Ich erreiche die geschichtsträchtige Straße Cuesta de Santo Domingo. Hier zieht die kunstvolle, barocke Fassade der Kapelle des Museo de Navarra meine Blicke an. Sie stammt aus dem Jahr 1733 und gehörte einst zu einem alten Hospital. Ein absolut faszinierender Kontrast ist die moderne, kreisrunde blaue Lichtinstallation des Künstlers Javier Muro mit dem Schriftzug „LOS DÍAS“, die perfekt mit dem alten Stein harmoniert.

Ich steige hinauf in das charmante Viertel Navarrería und stehe vor der markanten gelben Fassade der Kirche San Fermín de Aldapa. Der Legende nach wurde diese barocke Basilika genau an jener Stelle errichtet, an der einst das Geburtshaus des heiligen Fermín – des Schutzpatrons der Stadt – stand. Der in den Stein gemeißelte Schriftzug über dem Portal strahlt eine fast mystische Ruhe aus.

Schließlich trete ich hinaus auf die Anhöhe der alten Befestigungsanlagen. Von hier oben bietet sich ein grandioser Blick hinab auf die Cuesta de Santo Domingo, wo im Juli die Stierläufe starten. Direkt neben mir fügt sich die helle, flache Steinfassade des Museo de Navarra nahtlos in die mächtigen Stadtmauern ein. An der Terrasse prangt das weiße Banner mit der baskischen Aufschrift „GEHIAGO EGITEKO LAN GUTXIAGO EGIN“ („Weniger arbeiten – Mehr tun“), ein starker, moderner Akzent inmitten dieser jahrhundertealten Wehranlagen.

Das Tor der Pilger und der Aufstieg zur Kathedrale

Zum Abschluss meines Tages folge ich dem weltberühmten Pilgerpfad, der die Stadt seit Generationen mit Leben und spiritueller Energie füllt.

Ich folge den Wehrmauern bis zum Portal de Francia. Dieses wunderschöne Steintor aus dem Jahr 1553 zieht mich sofort in seinen Bann. Aus der Außenperspektive wirkt der gepflasterte Aufstieg durch die massiven Steinquadre der Bastion Baluarte del Redín fast einschüchternd. Es ist ein zutiefst bewegender Ort: Seit Jahrhunderten ist dies das offizielle Eingangstor für die Pilger, die auf dem Jakobsweg aus Frankreich kommen. Wenn man durch das dunkle Steingewölbe schreitet, spürt man förmlich das Aufatmen der unzähligen Wanderer, die hier nach den harten Pyrenäenetappen endlich sicheren Boden unter den Füßen hatten.

Hinter dem Tor tauche ich ein in die Calle del Carmen (DSC_1304). Das Kopfsteinpflaster glänzt im Sonnenlicht, und die hohen Wohngebäude mit ihren filigranen, schmiedeeisernen Balkonen recken sich links und rechts empor. Pilger mit Jakobsmuscheln an den Rucksäcken ziehen schweigend an mir vorbei. Mein Weg führt mich schließlich zur majestätischen Kathedrale von Pamplona (DSC_1599). Ihre monumentale, neoklassizistische Westfassade mit den beiden symmetrischen Glockentürmen wirkt wie ein Tempel aus einer anderen Zeit. Das helle Sandsteingelb der Säulen strahlt vor dem makellos blauen Himmel eine unglaubliche Erhabenheit aus und bildet den perfekten, würdevollen Abschluss für meine Entdeckungsreise durch diese unbezwingbare Festung voller Lebensfreude.

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