Little Trapper Lake

Eine Wildniswanderung unter den Zinnen der Chinese Wall – 19.08.2026

Die Morgensonne lag noch tief, als ich die Reifen meines Wagens von Steamboat Springs aus in Bewegung setzte. Mein Ziel für den heutigen Tag versprach Abgeschiedenheit und die raue, ungezähmte Schönheit der Flat Tops Wilderness. Die Straße wich bald staubigen Pisten, bis schließlich der Trailhead erreicht war. Hier, wo die Zivilisation endgültig hinter den dichten Wäldern Colorados verschwand, schnürte ich die Wanderschuhe und atmete die kühle, harzige Bergluft ein.

Schon nach den ersten Höhenmetern des Aufstiegs öffnete sich das Dickicht und gab den Blick auf ein monumentales Panorama frei. Wie ein tiefblauer Saphir ruhte der Trappers Lake in seinem Bett, gerahmt von weiten, saftig grünen Strauchlandschaften. Doch was diesen Ort so magisch machte, war der dramatische Kontrast darüber: Die mächtigen, flachen Gipfel des Trappers Peak und des Derby Peak ragten auf der gegenüberliegenden Seeseite empor. Ihre horizontal geschichteten Basaltwände wirkten wie eine uralte, unbezwingbare Festung unter einem intensiv blauen Himmel, an dem bauschige Schönwetterwolken langsam ihre Schatten über die schroffen Hänge warfen.

Galerie 1: Erste Impressionen am Trappers Lake

Der Pfad führte mich weiter südöstlich am Ufer entlang. Mit jedem Schritt veränderte sich die Perspektive auf den Little Trappers Peak, dessen schroffe Zacken nun steil über mir aufragten. Hier machten sich die Geister der Vergangenheit bemerkbar: Der Hang war gezeichnet vom großen Waldbrand des Jahres 2002. Ein silbergraues Meer aus abgestorbenen, nackten Baumstämmen zeugte von der zerstörerischen Kraft des Feuers. Doch zwischen dem Totholz regte sich neues Leben – leuchtend grüne Büsche und junge Nadelbäume eroberten den felsigen Boden zurück, ein stilles und kraftvolles Schauspiel des Wandels.

Plötzlich zweigte der Pfad ab. Kaum dreißig Meter nach links gebogen, stand ich am Ufer des Coffin Lake. Die vollkommene Stille an diesem versteckten Gewässer war fast greifbar. Die Wasseroberfläche lag spiegelglatt vor mir und fing das Weiß der Wolken wie ein perfekter Spiegel ein. Direkt dahinter ragten die dunklen, imposanten Klippen der Chinese Wall empor. Diese kilometerlange, senkrechte Felswand dominierte den Horizont und verlieh dem idyllischen See eine fast ehrfurchtgebietende Kulisse.

Galerie 2: Der Weg durch den Geisterwald zum Coffin Lake

Der anschließende Weg forderte meine volle Aufmerksamkeit, während er sich durch das Labyrinth aus umgestürzten Geisterbäumen wand und schließlich das langersehnte Ziel freigab: den Little Trapper Lake. Der Anblick, der sich mir beim Abstieg zum Wasser bot, war überwältigend. Eingebettet in ein gewaltiges, hufeisenförmiges Tal lag der unberührte Bergsee im hellen Mittagslicht. Ein schmaler Gürtel aus dunkelgrünen Nadelbäumen schien das tiefe Blau des Sees vor den bleichen Bergen zu beschützen, während der gesamte Gegenhang des Derby Peaks über Meilen hinweg wie ein riesiges Mikadospiel aus silbergrauen Stämmen wirkte.

Ich stieg ganz zum See hinunter, bis meine Stiefel im weichen Ufergras standen. Aus dieser tiefen Perspektive funkelte das Wasser in unzähligen Blautönen, während im seichten Uferbereich der sandige, bräunliche Untergrund durch die klare Oberfläche schimmerte. Hohe, saftige Gräser wiegten sich sanft im Wind. Es war ein Ort der absoluten Einsamkeit und rauen Harmonie, an dem man stundenlang verweilen und den Kontrast zwischen den kahlen Basaltwänden und dem pulsierenden, neuen Grün am Wasser in sich aufsaugen konnte.

Galerie 3: Die Einsamkeit des Little Trapper Lake

Der Abschied von diesem friedlichen Fleckchen Erde fiel schwer, doch die ziehenden Wolken mahnten zum Aufbruch. Auf dem Rückweg hielt ich noch einmal inne, um die ungezähmte Dynamik der Landschaft festzuhalten. Tief unten in einer engen, steilen Schlucht rauschte ein kleiner Gebirgsbach. Das weiße, schäumende Wasser kämpfte sich wild über dunkle Steine und unter einem wilden Chaos aus verwitterten Ästen hindurch. Am Wegesrand leuchteten die pinken Blüten des Schmalblättrigen Weidenröschens – ein letzter, farbenfroher Gruß einer Wildnis, die sich Schritt für Schritt selbst regeneriert.

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Wilder Bergbach im Totholz-Chaos 9098-1

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