Eisige Riesen, neugierige Murmeltiere und eine majestätischen Begegnung
Der Wecker klingelte früh in St. Mary, doch die Vorfreude vertrieb jede Müdigkeit. Wenig später schob sich der vollbesetzte Shuttlebus die spektakulären Serpentinen der Going-to-the-Sun Road hinauf, bis er mich am Logan Pass ausspuckte. Als ich dort oben ankam, verschlug es mir fast den Atem: Ich stand mitten in den Hanging Gardens, den Hängenden Gärten, umgeben von einer Bergkulisse, die so monumental wirkte, als hätten Riesen sie aus dem nackten Fels gehauen. Der Himmel spannte sich wie eine makellos blaue Seide über die Szenerie. Jeder Blick bot eine neue Form, eine neue Farbe.
Schon auf den ersten Metern des Hidden Lake Trails zog mich die Geologie des Parks in ihren Bann. Überall schimmerten die uralten Gesteinsschichten in Nuancen von Schiefergrau und warmem Ocker, unterbrochen von letzten, strahlend weißen Schneefeldern, die sich hartnäckig gegen die Sommersonne wehrten. Das zarte, saftige Grün der alpinen Tundra bildete dazu einen fantastischen Kontrast.
Galerie I: Die Wächter des Logan Pass
Der hölzerne Steg führte mich weiter bergauf, vorbei an plätschernden Schmelzwasserbächen, die sich wie silberne Adern durch die weiten Bergwiesen zogen. In einer kleinen Senke glänzte ein winziger, kristallklarer See im hellen Sonnenlicht. Die Luft roch nach frischer Erde, kühlem Schnee und den zarten Wildblumen, die zwischen den rauen Felsen blühten. Es war eine Idylle, die kurz darauf von einem leisen Rascheln unterbrochen wurde: Ein eisgraues Murmeltier saß auf den rötlichen Schieferplatten und schnupperte seelenruhig an leuchtend gelben Arnika-Blüten, völlig ungestört von meiner Anwesenheit.
Galerie II: Flora und Fauna in den Hängenden Gärten
Schließlich erreichte ich den Hidden Lake Overlook, und der Blick, der sich mir dort bot, brannte sich tief in mein Gedächtnis ein. Tief unten im Tal lag das langgestreckte, intensiv glitzernde Auge des Hidden Lake, dessen tiefblaues Wasser im Gegenlicht wie Millionen von Diamanten funkelte. Direkt darüber thronte der Bearhat Mountain – eine perfekte, monumentale Felspyramide, die eine unerschütterliche Ruhe ausstrahlte.
Genau dort erlebte ich den absoluten Postkarten-Moment der Reise: Auf einem rötlichen Felsvorsprung direkt am Abgrund stand stolz eine beige-weiße Schneeziege. Ihre spitzen, schwarzen Hörner hoben sich scharf gegen das schattige Massiv des Gunsight Mountain im Hintergrund ab. Sie blickte hinab auf den See, als würde sie genau wie ich die unendliche Weite der Wildnis genießen. Als sie sich umdrehte und direkt auf mich zulief, hielt ich den Atem an. Ich ließ sie bis auf etwa fünf bis sieben Meter herankommen – ein absoluter Gänsehaut-Moment –, bevor ich langsam und respektvoll zurückwich.
Galerie III: Das Juwel der Kontinentalwasserscheide
Der Zauber des Sees ließ mich nicht los, und so wagte ich den steilen Abstieg über die Serpentinen direkt hinunter zum Ufer. Unten angekommen, war die Stille fast greifbar. Das Wasser war so glasklar, dass man jeden einzelnen Kieselstein am Seeboden zählen konnte, während sich die mächtige Silhouette des Bearhat Mountain makellos auf der leicht gekräuselten Oberfläche spiegelte. In der Ferne funkelte die schneebedeckte Kuppe des Mount Jackson im ewigen Eis.
Galerie IV: Am kristallklaren Ufer
Doch die Uhr tickte unerbittlich, und mir wurde klar: Ich musste den Shuttlebus um 13:00 Uhr erwischen, um rechtzeitig zurückzukommen. Der Wiederaufstieg hatte es in sich. Im Zickzackkurs rannte ich die letzte halbe Meile die steilen Hänge unterhalb der gewaltigen Steilwand des Clements Mountain hinauf. Keuchend hielt ich nur noch für Sekunden an, um die monumentalen Felswände des Heavy Runner Mountain und die burgzinnenartigen Grate des Citadel Mountain im Osten festzuhalten. Und als wäre dieser Tag nicht schon perfekt genug gewesen, entdeckte ich im Eilschritt auf einer weitläufigen, gelb gesprenkelten Bergwiese sogar noch einen dunkelbraunen Grizzlybären, der friedlich im dichten Bewuchs nach Nahrung suchte. Ich filmte ihn kurz aus sicherer, weiter Entfernung – ein grandioser Abschluss!
Galerie V: Der rasante Rückweg über den Pass
Völlig außer Atem und auf die Minute pünktlich um 13:00 Uhr erreichte ich die Shuttle-Station am Visitor Center. Das Amüsante daran? Der Bus hatte am Ende 25 Minuten Verspätung, da er im dichten Sommerverkehr der Going-to-the-Sun Road feststeckte. Doch anstatt mich zu ärgern, setzte ich mich auf eine Mauer, blätterte durch die frisch geschossenen Fotos und genoss einfach noch ein letztes Mal das unvergleichliche Panorama des Logan Pass. Was für ein unvergessliches Abenteuer!























