Unsere Höllenfahrt auf dem Shafer Trail

Der Morgen am 27. September 2026 begann mit der unendlichen Weite der Island in the Sky-Hochebene. Bevor das eigentliche Abenteuer startete, erkundeten meine Frau Hania, meine Schwägerin Basia und ich den markanten Mesa Arch und genossen die raue Felsästhetik am Candlestick Tower Overlook. Die Luft war klar, doch am Visitor Center hingen schwere, dichte Wolkenbänder über den tiefen Canyons, als ich mich nach dem Wetter erkundigte.

Unser Plan stand fest: Wir wollten den unbefestigten, berüchtigten Shaver Trail in Angriff nehmen. Basia hatte zwar den ganzen Tag protestiert und geschworen, dort niemals hinabzufahren, doch ein Versprechen stimmte sie schließlich um – ich würde den Wagen Zentimeter für Zentimeter immer ganz rechts an der schützenden Felswand entlangmanövrieren. Am Aussichtsplattform-Rand gegenüber dem Tourist Information Office warfen wir einen letzten Blick in den gewaltigen Abgrund.

Galerie 1: Der steile Abstieg in den Shafer Canyon


Die Fahrt entwickelte sich schnell zu einer echten Zerreißprobe für die Nerven, aber auch zu einem unvergleichlichen Erlebnis. Die Haarnadelkurven bauten sich in schwindelerregenden Zickzack-Linien vor uns auf. Auf der staubigen, schmalen Schotterpiste kam uns ein bulliger Pickup-Truck entgegen – Zentimeterarbeit war gefragt, während die tiefroten Sandsteinwände der Hochebene direkt neben unseren Autofenstern aufragten. Sogar einige extrem mutige Mountainbiker teilten sich die anspruchsvollen Kehren mit uns, die vermutlich tiefer im Tal auf den White Rim Trail abbiegen wollten.

Als wir die steilsten Serpentinen hinter uns gelassen hatten, öffnete sich vor uns ein gigantisches, welliges Wüstenbecken. Unser treuer Toyota RAV4 hatte zwar nur Frontantrieb, was auf dem trockenen Untergrund kein Problem darstellte, doch die geringe Bodenfreiheit forderte volle Konzentration bei jedem hervorstehenden Stein. Allradantrieb, so scherzten wir erleichtert, ist schließlich nur was für Leute, die nicht fahren können.

Galerie 2: Monumente aus rotem Sandstein und erste Ausblicke


Die Ausmaße der Landschaft unterhalb des massiven Dead Horse Point waren schlicht überwältigend. Gigantische Erosionsformen säumten unseren Weg. Besonders faszinierend waren die skurrilen, säulenartigen Hoodoos der Organ Rock Formation, deren dunkle Sandsteinpfeiler von flachen Gesteinskappen gekrönt wurden. Sie wirkten wie steinerne Wächter vor der gigantischen Kulisse des Shafer Canyon Tower und der weiten Mauern des Dead Horse Point Mesa.

Kurze Zeit später erreichten wir eine markante Senke und sahen ihn zum ersten Mal: den ehrwürdigen Colorado River. Der Fluss zog in dicken, schlammbraunen Windungen durch das Tal, intensiv gesäumt von einem kontrastreichen, leuchtend grünen Band aus dichter Ufervegetation.

Galerie 3: Am Ufer des mächtigen Colorado Rivers


Am berühmten Thelma & Louise Point legten wir eine Pause ein. Basia knipste wunderbare Erinnerungsfotos von Hania. Beide strahlten in ihren roten T-Shirts vor den monumentalen Felswänden der Amasa Back Mesa. In der Ferne, hinter dem markanten, festungsartigen Profil des Pyramid Butte, schimmerten unter den dichten Wolken die bläulichen, schneebedeckten Gipfel der fernen La Sal Mountains.

Der unbefestigte Weg zog sich weiter, vorbei am alles beherrschenden Kane Springs Canyon Tower, der stolz aus seiner treppenartigen Basis aufragte. Als wir dachten, die holprige Piste müsste bald geschafft sein, tauchten am Horizont die surrealen Farben der industriellen Kaliminen auf.

Galerie 4: Das Farbspiel der Kalibecken im Abendlicht




Die künstlich angelegten Potash Evaporation Ponds (Kali-Verdunstungsbecken) bildeten mit ihren weißlich-blauen Terrassen einen fast unwirklichen Kontrast zur intensiv roten Wüstenlandschaft. Große Maschendrahtzäune begleiteten uns nun meilenweit entlang der Förderanlagen vor den steilen Wänden der Behind the Rocks Mesa.

Hinter jeder Biegung wirkte die Geologie noch spektakulärer. Als wir uns schließlich den Ausläufern des Cane Creek Anticline näherten, brachen die Wolken auf und die massiven Steilwände flammten im späten, goldenen Sonnenlicht intensiv auf. Es war der perfekte, majestätische Abschluss einer wilden Reise, bevor uns die Piste kurz vor Moab endlich auf den ersehnten, glatten Asphalt des Highways entließ.

Galerie 5: Das Farbspiel der Kalibecken im Abendlicht – Teil II

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